Das war das Netzwerktreffen 2026 mit interessanten Inputs und Gesprächen

Die Methode Zukunftswerkstatt wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren vom Zukunftsforscher Robert Jungk gemeinsam mit Norbert Müllert entwickelt. In der Folge gab es jährliche Netzwerktreffen in wechselnden Städten mit wechselnden Vorbereitungsteams und jeweils einem Tagungsthema. 2021 musste diese Tradition aus organisatorischen Gründen eingestellt werden.

Hans Holzinger: Das Netzwerk Zukunftswerkstätten NEU [Folien]

Die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen übernahm die Aufgabe, das Netzwerk „aufzufangen“ . Neben einer neuen Homepage und Webinaren finden die jährlichen Treffen nun in kleinerem Umfang statt – immer mit Themen zur Methode, die von Teilnehmenden eingebracht werden. Vier Treffen gab es bisher, drei davon in Salzburg, eines in Krefeld, organisiert von einem Team um Lars Meyer.

120 Mitglieder zählt derzeit das Netzwerk Zukunftswerkstätten „Neu“, etwa die Hälfte davon sind als aktiv Moderierende in der Datenbank erfasst. Mitglieder erhalten Infos über Veranstaltungen, Ausbildungen sowie weitere Tipps. Einen Mitgliedsbeitrag gibt es nicht. Die Anmeldung ist hier möglich.

Auf der Homepage werden zudem Kurzberichte über Zukunftswerkstätten von Mitgliedern online gestellt, um zu zeigen, dass die Methode in vielfältigen Kontexten eingesetzt werden kann.

Carmen Bayer: Ausbildungen der Robert-Jungk-Bibliothek [Folien]

Nach diesen Kurzinfo von Hans Holzinger, Senior Adviser der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, berichtete Carmen Bayer über die Ausbildungen „Zukunftswerkstätten gekonnt anleiten“ der Robert-Jungk-Bibliothek. Das Ziel dabei ist, neue Interessierte für die Methode zu gewinnen. Die Teilnehmenden erfahren eine Werkstatt, moderiert vom Leitungsteam, dann führen sie eigene Übungswerkstätten durch. Dazu gibt es theoretische Einführungen. Acht Ausbildungen mit Teilenehmenden unterschiedlicher Berufshintergründe fanden bisher statt, die nächste wird es im Februar2027 geben. Das Ausbildungsteam besteht derzeit aus Carmen Bayer, Edith Frauscher, Johannes Haunschmid und Hans Holzinger. Ein Ziel der Ausbildungen ist es, auch junge Moderierende als Nachwuchs zu gewinnen. Carmen Bayer gibt zudem an der FU Berlin Einführungskurse in die Methode im Rahmen des Masterstudiengangs Zukunftsforschung.

Franziska Berge: Freewriting als Kreativmethode für die Phantasiephase [Folien]

Es folgten spannende inhaltliche Inputs. Den Anfang machte Franziska Berge, Absolventin des Masterstudiengangs Zukunftsforschung sowie der Ausbildung „Zukunftswerkstätten gekonnt anleiten“. Die Kommunikationsberaterin und Moderatorin, die mit unterschiedlichen Kreativmethoden arbeitet, gab Einblicke in ihre Masterarbeit über „Schreiben als Methode zur Entwicklung normativer Zukunftsbilder – am Beispiel des Workshop-Formats Zukunftswerkstatt“. Gestützt auf die Schreib- und Kreativitätsforschung argumentiert sie, dass Freewriting – ergänzend zu Brainwriting oder Rundwünschen – unbewusste Denkprozesse anregen und so zu neuen, überraschenden Ideen führen kann. Die Teilnehmenden schreiben dabei eine bestimmte Zeit lang – in der Regel 10 Minuten – über einen gewünschten Zukunftszustand, ohne den Schreibfluss zu unterbrechen. Die entstandenen Ideen werden in der Gruppe geteilt und weiterbearbeitet. In der Diskussion wurde mehrfach bestätigt, dass kreatives Schreiben wertvolle Impulse für die Phantasiephase geben kann.

Philip Kühling: KI-Einsatz in der Utopiephase – Chancen und Grenzen

In der Folge berichtete Philip Kühling, ebenfalls Absolvent des Masterstudiengangs Zukunftsforschung sowie der Ausbildung „Zukunftswerkstätten gekonnt anleiten“, über seine Masterarbeit „Die Wirkung einer KI-Intervention auf die Erweiterung des Möglichkeitsraums in der Utopiephase einer Zukunftswerkstatt“. Der Mitbegründer von „make future“ führte Zukunftswerkstätten mit Kleingruppen zum Thema „Die Arbeit im Jahr Jahr 2040“ durch – einmal mit und einmal ohne KI-Unterstützung. Ein zentrales Ergebnis: in der Kontrollgruppe ohne KI war der „Sog des Machbaren“ stärker, in der Gruppe mit KI wurden utopischere Entwürfe erstellt. Es gäbe aber auch Grenzen bzw. Nachteile bei KI-Unterstützung, etwa die Hörigkeit gegenüber den KI-Ergebnissen. Diskutiert wurde ebenfalls, dass die Phantasiephase auch in die Realität umsetzbare Ideen braucht.

Matteo Bruni: Offene Charta für Dezentrale Zukünfte. [Folien]

„Offene Charta für Dezentrale Zukünfte. Kritik, Utopie und Realisierung einer vernetzten Zukunftswerkstatt“ – so der Titel eines länderübergreifenden Projektzusammenschlusses, in dem Zukunftswerkstätten, Kunst und Künstliche Intelligenz miteinander verbunden werden. Ziel ist es, Wissen in Zeiten von KI nicht lokal zu belassen, sondern zu vernetzen, Ideen aus Zukunftswerkstätten als Open Source breit zu teilen, Expertise aus dezentralen Orten und dem Netz zu nutzen und Partner für die Umsetzung von Projektideen zu finden. Zudem sollen Künstler:innen die Visionen in Werke übersetzen. Das schaffe Reichweite, Aufmerksamkeit und Multiplikation – und helfe, mit weiteren Partner:innen zu kooperieren, so Matteo Bruni von cocoex e.V., einem der fünf Partnerorganisationen, der beim Netzwerktreffen über das Projekt berichtete. Weiters an Bord sind Lars Meyer aus Krefeld, David Kergel von der IU International University of Applied Sciences in Erfurt, der Consulter Michael Theumert aus München sowie Carmen Bayer von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Die Gruppe lädt demnächst zu einem Online-Symposium ein, bei dem die Charta fortgeschrieben werden soll.

Thomas Ködelpeter, Lars Meyer, Maren Schüpphaus: Demokratisch lernende Strukturen

Im letzten Bericht ging es ebenfalls um ein „Work in Progress“. Thomas Ködelpeter und Maren Schüpphaus von der Ökologischen Akademie in Lengries sowie Lars Meyer von DIE WERKSTATT Krefeld schilderten die Konturen einer Fortbildung für Moderierende von längeren Partizipationsprozessen. Das Ziel der Fortbildung ist die Reflexion solcher Prozesse im Sinne lernender Strukturen. Für den Lehrgang wird noch ein dritter Partner mit Erfahrung in der Umsetzung solcher Partizipationsprozesse gesucht. Der Flyer zur Fortbildung ist in Arbeit.

Aus Zeitgründen wurde der letzte Input von Hans Holzinger über Erfahrungen mit Großgruppen auf ein nächstes Mal verschoben. Der Bericht über eine Zukunftswerkstatt mit Österreichischen Bildungswerken ist im Link zu finden.

Besten Dank an die Inputgebenden und alle Teilnehmenden für die spannenden Redebeiträge und den regen Austausch.

Das Netzwerktreffen 2027 wird wieder Ende Oktober vor Ort stattfinden – voraussichtlich in Salzburg. Denkbar wären aber auch Treffen an zwei Orten: Einmal in Krefeld für Mittel- , Nord- und Ostdeutschland, in Salzburg für den Süden Deutschlands, die Schweiz und Österreich.


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