„Wie gelingt die Utopiephase?“ | Bericht von unserem ersten Webinar

21 Interessierte beteiligten sich am ersten Webinar des Netzwerks Zukunftswerkstätten am 15. Februar 2022. Das Thema: Wie gelingt die Utopiephase? Nach einer Vorstellungsrunde tauchten wir gleich praktisch ins Phantasieren ein. In einer von Rita Nassen angeleiteten Zukunftsreise ging es darum, sich in eine Utopiephase einer Zukunftswerkstatt einzulassen und danach ein Phantasiebild zu malen. Wiebke Claussen referierte in der Folge in einem Kurzvortrag die Bedeutung der Utopiephase: „Es geht um Visionen, Träume, …, spielerischen Zugang, den Einsatz kreativer Methoden, gemeinsames Schaffen eines Kunstwerks, nonverbale Verständigung, Sachzwänge bei Seite zu legen, ungewöhnliche Ideen zu entwickeln“. Als herausfordernde Punkte nannte sie die Gestaltung der positiven Wendung von der Kritik zur Utopiephase/Phantasiephase, die Ableitung von anregenden Fragen, Methoden und Medien aus dem Thema sowie die Gestaltung des Übergangs von der Utopiephase zur Realisierungsphase – die „Übersetzung der Kunstwerke“.

In Kleingruppen wurden anschließend Erfahrungen der Teilnehmenden mit Kreativtools sowie erlebte Schwierigkeiten ausgetauscht. Die Ergebnisse konnten abschließend via Padlet zusammengetragen und „geerntet“ werden. Eine Vielzahl an Ideen wurden genannt: Eine Fülle an Materialien mitnehmen, mit denen Kreativität gefördert werden kann, Visionsplakate, Zukunftsreisen oder Comics einsetzen, Früchte und Gewürze verkosten, Ideenspaziergänge einbauen, mit Theater arbeiten, aber auch ganz klassisch nach Robert Jungk, die genannten Kritikpunkte ins Positive wenden, daraus Ziele und Visionen ableiten und dazu Ideen in Brainstormings oder Brainwriting sammeln. Oder auch die Teilnehmenden zu ermuntern, aus den Kritikpunkten gemeinsam sich uns stellende Fragen zu formulieren.

Wie kann der Übergang von der Kritik in die Utopiephase angegangen werden? Genannt wurde das Überspringen der Raummitte oder eines Grabens, um den Übergang körperlich auszuagieren, die Einladung zu einer fiktiven Ballonfahrt, um abzuheben oder das Anwenden der Kopfstandmethode, d.h. mit Überzeichnung und Provokation zu arbeiten: „Wie müssen wir es angehen, damit wir mit Sicherheit scheitern“ und dann diese Nennungen ins „Positive“ wenden. Originell war auch die Idee, unterschiedliche Räumlichkeiten für die einzelnen Phasen zu nutzen: Kritikphase im Keller, Utopiephase auf der Dachterrasse. Als wichtig wurde auch der Übergang von der Utopie- in die Realisierungsphase durch eine schrittweise Interpretation des Kunstwerks betont: Welche Ideen stecken darin? Was ist genau das Utopische in unserem Werk? Wo sehen wir einen neuen Keim wachsen?

Was hilft für das Gelingen? Wichtig ist eine gute Planung der Zeiten, Anmoderation, Fragen, Methoden/Material, Übergänge. Es braucht eine Setzungsphase zwischen Kritik- und Utopiephase, am besten eine Nacht. Die bewusste Zeitbeschränkung fördert die Kreativität. Zur Frage, wie Teilnehmende eingebunden werden können, die Schwierigkeiten haben, in der Utopiephase mitzutun, weil man in der Kritikphase hängengeblieben ist oder weil man gleich in die Realisierung stürzen möchte: Auf die Bedeutung des Utopischen hinweisen („Es gibt vorerst mal keine Sachzwänge“), auf das Befinden der Personen eingehen, Vertrauen aufbauen. Genannt wurde auch, für die „Realisten“ bzw. „Ausbrecher“ einen separaten Raum oder eine zweite Bühne aufzumachen. Nicht zuletzt wurde die Wichtigkeit einer guten Vorbereitung sowie eine wertschätzende Vorphase der Zukunftswerkstatt betont:: z. B. durch Appreciate Inquiry, Geschichten des Gelingens, was schätzen wir und möchten wir erhalten?

Die nächsten Webinare widmen sich der „Digitalen Zukunftswerkstatt“ (26. April 2022) sowie dem Tool der „kollegialen Beratung“ (10. Mai 2022). Mehr Infos und Anmeldung gibt es auf der Homepage des Netzwerks Zukunftswerkstätten sowie der Robert-Jungk-Bibliothek. Hingewiesen wurde auch auf die Ausbildung der JBZ „Zukunftswerkstätten gekonnt anleiten“ sowie auf die neue Moderierenden-Datenbank. Mehr Anregungen zur Kreativitätsförderung gibt es in einem Workshop von Edith Frauscher und Hans Holzinger in der JBZ-MethodenAkademie (18. März 2022).

Leitung des Webinars: Rita Nassen, Wiebke Claussen. Einführung und Bericht: Hans Holzinger, technische Betreuung und Foto: Carmen Bayer.

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