Die Zukunftswerkstatt ist eine bewährte Methode im Rahmen von Stadt/Gemeinwesenarbeit und hat das Potential „gesellschaftspolitische Fragestellungen“ auf der Ebene von Quartieren gemeinschaftlich zu beantworten. Zwei Beispiele für Beteiligungsprozesse mit innovativem Einsatz der Zukunftswerkstatt wurden im Webinar am 29. April 2025 vorgestellt. Hier ein Kurzbericht sowie Links zu den von den Vortraenden freundlicherweise zur Verfügung gestellten Folien.

„Dialog am Birnbaum“ – Partiziative Gestaltung eines latzes in München
Maren Schüpphaus berichtete zunächst von den Aktivitäten der Münchner Initiative Nachhaltigkeit (MIN), die Gruppen der Zivilgesellschaft vernetzt und zugleich neue Kooperationsansätze zwischen Zivilgesellschaft und Stadtverwaltung angestoßen hat: alle wollen die Quartiere nachhaltig entwickeln, aber es herrscht viel Unkenntnis, wie man die Akteure vernetzt und in Zusammenarbeit bringt. Danach beschrieb sie den Einsatz der Zukunftswerkstatt in dem von ihr gemeinsam mit Thomas Ködelpeter moderierten Beteiligungsprozess zur Gestaltung des Schlotthauerplatzes. Auftraggebende sind hier die Nachbarschaftsinitiative „Dialog am Birnbaum“ in der Münchener Au und das Münchner Forum e.V. als Projektträger – mit einer Projektförderung durch das Referat für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München. Die Anwohner*innen des Platzes waren eingeladen, Gestaltungsvorschläge einzubringen. Die drei Phasen der Zukunftswerkstatt – Kritik/Vision/Realisierung – wurden in drei zeitlich auseinanderliegenden Workshops umgesetzt. Der Wahrnehmung des zu verändernden Ist-Zustandes folgte der Entwurf unterschiedlicher Visionsskizzen anhand von Wunschbildern über den Platz. Aus diesen wurden schließlich zwei mögliche Gestaltungskonzepte destilliert, die demnächst der Politik und Verwaltung vorgestellt werden. Davor wird es noch eine erweiterte Beteiligungsschleife geben – alle Anwohner*innen in unmittelbarer Nähe zum Platz werden eingeladen, sich an einer Umfrage zu beteiligen. Außerdem werden die Konzepte auf der gemieteten Litfasssäule auf dem Platz vorgestellt und am Tag der Nachbarn, dem 23.05.25, kann man darüber ins Gespräch kommen. Ein wichtiger Teil des Prozesses sei es gewesen, unterschiedliche Vorstellungen über die Neugestaltung des Platzes zusammenzubringen sowie Konflikte, etwa im Zusammenhang mit Parkplätzen, kooperativ zu bearbeiten, so Maren Schüpphaus. Der letzte Schritt liege dann nach Abschluss aller Beteiligungsschritte in der Übergabe und Vermittlung der beiden Gestaltungsskizzen an die Politik und Stadtverwaltung, die für die Umsetzung verantwortlich zeichnet.

Mehr zur Münchner Initiative Nachhaltigkeit und dem Beteiligungsprojekt unter www.m-i-n.net/gutes-leben-im-quartier/ bzw. www.dialog-am-birnbaum.de. Download Folien
„Demokratiewerkstatt Krefeld“ – Beteiligung als gemeinsamer Lernraum
Mit der „Demokratiewerkstatt Krefeld“ geht die Stadt in Nord-Rhein-Westfalen seit mehreren Jahren einen innovativen Weg der Politikgestaltung. Politik, Verwaltung und Bürger*innen werden als gemeinsam Lernende gesehen, die in vielfältigen Projekten mit einer durchdachten Kommunikationsstruktur neue Strategien der Indentifizierung von Herausforderungen sowie der Umsetzung von Vorhaben verfolgen. Lars Meyer, der den Prozess der „permanenten Zukunftswerkstatt“ begleitet, sprach in seinem Bericht von einer „lernenden Beteiligungsstruktur“ im Quartier und den Stadtteil als „lernenden Stadtteil“ begreift. Dies kann unter dem Programm „Inklusionsprozeß und dessen Steurung als erlebbare Demokratieräume“ verstanden werden. Er beschrieb diese Form der institutionalisierten Kooperation als ein „viable system model“, bei dem verschiedene „Funktionseinheiten“ aus verschiedene Arbeitsgruppen und einem Viertelsrat zusammenarbeiten. Eine Steuerungsgruppe sowie ein Kuratorium wirken beratend, ohne inhaltlich einzugreifen.

Die drei Phasen der Zukunftswerkstatt werden in der Entwicklung von Visionen und Projektschritten angewendet. „Von Betroffenen zu Beteiligten“ als Grundimpuls Robert Jungks Zukunftswerkstatt wird so zum Prinzip „Aus prekären Lebenslagen zur politischen Teilhabe“, bei dem u.a. Wohnungs- und Obdachlose mit NachbarInnen, Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik gemeinsam der Frage nachgehen: „Wie wollen wir hier zusammen leben?“ und dabei aufeinander aufbauende Lernprozesse für alle generieren – diese Orte werden dort „Demokratische Plattfomen“ genannt, die nach den Prinzipien und Grundsätzen der Zukunftswerkstatt arbeiten.
Das Webinar machte deutlich, dass Zukunftswerkstätten auch in länger dauernden Prozessen eingesetzt werden können. Diskutiert wurde zudem die Frage, wie, ab wann und wie intensiv auch die Politik und Verwaltung in derartige Beteiligungsprozesse involviert werden können bzw. sollen.
Mehr zum Projekt sowie seinen theoretischen Grundlagen gibt es in den Folien.

