Vielfalt in der Zukunftswerkstatt | Ein kurzer Rückblick auf das 4. Webinar des Netzwerks Zukunftswerkstätten

Um Vielfalt in der Zukunftswerkstatt ging es im 4. Webinar des Netzwerks Zukunftswerkstätten am 20. Juni 2022, gehostet von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Wir widmeten uns der Frage, wie wir neue Methoden/Ansätze und Erkenntnisse aus Theorie und Praxis in die Zukunftswerkstatt einbauen und was wir als das SPEZIFISCHE der Zukunftswerkstatt auch HEUTE herausstellen können und sollten. Dreizehn Zukunftswerkstättler:innen nahmen am Austausch teil (nicht alle sind im Bild vertreten!)

Lars Meyer aus Krefeld gab einen kurzen Abriss über die Geschichte der Netzwerkstreffen, die selbst die thematische Vielfalt der Bewegung widerspiegeln, sowie über die Prinzipen der Zukunftswerkstatt. Es gehe darum „Betroffene zu Beteiligten zu machen“, „demokratisierend, politisierend und problemlösend“ zu arbeiten. Offen für den Prozess zu sein und pluralistisch, partizipatorisch, deliberativ und kommunikativ vorzugehen, nannte er mit Bezug auf John Dewey als Grundhaltung: „Democracy is a lived experience“. Für Lars Meyer ist die Zukunftswerkstatt heute mit großer Vielfalt in der Umsetzung präsent. In den letzten Jahrzehnten wurde die „permanente Zukunftswerkstatt“ als Wunschform einer breiten Demokratisierung betitelt. In der Konstruktivistischen Werkstatt ist dies die Demokratisierung der Strukturen wie z.B. Quartiere, Organisationen oder auch Sozialräume, die mittels großer und breiter Demokratisierungsprozesse (z.B. wie Demokratiewerkstätten im Quartier der Landeszentrale für politische Bildung NRW) im Charakter der Zukunftswerkstätten in 3 Phasen (Kritik und Vision und Handlungsperspektive) gestaltbar werden, wie er sie in der Dissertation „Zukunft gestalten in demokratisch-solidarischer Verständigung“, Uni Köln (2019) dargelegt hat.

Stefan Wladarsch aus Bayreuth, der sich intensiv mit der Doktorarbeit von Lars Meyer auseinander gesetzt hatte, ergänzte aus seinen Erfahrungen (u.a. im Studiengang Zukunftsdesign), methodische Neuerungen im Arbeiten mit Zukunftswerkstätten.

Im zweiten Teil des Webinars widmeten wir uns in zwei Gruppen dem Erfahrungsaustausch zu den beiden Fragen: Multiperspektivität im Design von Zukunftswerkstätten sowie in Bezug auf die inhaltliche Offenheit. Diskutiert wurde u.a. die Frage, wo ich als Moderierende(r) selbst inhaltliche Grenzen setze, etwa bei rassistischen Äußerungen, und wie wir mit Konflikten umgehen. In der zweiten Gruppe, in der ich selbst mitwirken konnte, ging es darum, wie wir die Offenheit in Bezug auf die Ergebnisse einer Zukunftswerkstatt bereits in der Planung berücksichtigen können. Vorgeschlagen wurde beispielsweise, in den Vorbereitungsgesprächen nicht nur die Auftraggeber:innen, sondern auch an der Zukunftswerkstatt Mitwirkende einzubinden, um Diversität sicherzustellen.

Betont wurde auch, dass das Design von Zukunftswerkstätten von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängt: der verfügbaren Zeit, den Möglichkeiten einer Nachbetreuung der Gruppe oder der Einbindung in einen längeren Prozess im Sinne einer permanenten Werkstatt. Eine Umfrage unter den Teilnehmenden ergab, dass die Mehrzahl zwar am Grundgerüst von Zukunftswerkstätten mit den drei Phasen festhält, darüber hinaus aber die Prozesse flexibel gestaltet.

„Von- und miteinander lernen“ lautet das Motto der Webinarreihe. Auch in diesem Workshop konnte es bestens umgesetzt werden. Lars Meyer stellte dankenswerterweise seine Folien für diesen Bericht zur Verfügung. Beiden Referierenden danken wir für die Inputs und das Zusammenführen der Ergebnisse, Carmen Bayer von der JBZ für die technische Betreuung. Beim nächsten Netzwerktreffen am 22. Oktober 2022 wiederum in Salzburg werden weitere mögliche Themen für Webinare besprochen.

Der Netzwerkverteiler wird derzeit neu aufgebaut. Mittlerweile umfasst er 60 Einträge. In der Moderierende-Landkarte sind aktuell 39 Aktive verzeichnet. Durch die ZW-Ausbildungen in der JBZ kommen regelmäßig „Neue“ dazu – die ZW-Szene bekommt sozusagen Nachwuchs. Anmelden für den Verteiler könnt ihr euch hier. Wünsche und Angebote für weitere Webinare sowie Kurzberichte von Zukunftswerkstätten für unsere Netzwerk-Homepage gerne an mich senden. Hans Holzinger.

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