
Zwölf Personen nahmen am Netzwerktreffen der Zukunftswerkstätten-Moderierenden am 25. Oktober 2025 in den Räumen der Robert-Jungk-Bibliothek teil. Im Bild von l. n.r.: Stefan Wlardasch (Bayreuth), Inge Jindra (Salzburg), Edith Frauscher (Salzburg), Harald Vauk (Leipzig), Lars Meyer (Krefeld), Maren Schüpphaus (München), Peter Mlzoch (Wien), Wolfgang Fänderl (München), Henrik Langholf (Freiburg), Fritz Letsch (München), Hans Holzinger (Salzburg, JBZ), Carmen Bayer (Salzburg, JBZ, als Fotografin nicht im Bild).
Protokoll des Netzwerktreffens
Im Rahmen einer Vorstellrunde wurden Herausforderungen gesammelt, die beim Treffen besprochen werden sollten. Ein zentrales Thema war die schwieriger gewordene Vermittlung unseres Wissens und methodischen Könnens in Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche. Die Auftragsaquise sei schwieriger geworden, obwohl es großen Bedarf an Zukunftsorientierung gäbe, so ein Tenor. Es müsse der Mehrwert von Zukunftswerkstätten vermittelt werden, zugleich wurde betont, dass potentielle Auftraggebende keine bestimmte Methode anfragen, sondern ein Anliegen haben. Dieses im Auftragsgespräch mit den OrganisatorInnen zu schärfen, ihnen behilflich zu sein, ihre Fragestellung zu finden, sei ein wichtiger Aspekt, berichtete etwa Edith Frauscher von Hummelhirn aus ihren Erfahrungen („Die möchten das Loch in der Wand, nicht die Bohrmaschine“).

Weiters wurde – wie beim letzten Treffen in Krefeld – erneut die Profilschärfung von Zukunftswerkstätten angesprochen. Es wurde diskutiert, welche neuen Methoden in die Zukunftswerkstatt integriert werden können und wie sich andere Methoden wie BürgerInnen-Räte, Dynamic Facilitation oder Design Thinking von der Zukunftswerkstatt unterscheiden. Henrik Langholf von SPIRIT FOR FUTURE gab einen Input zu seinem Ansatz „Emotional Innovation Solutions™“, bei dem in neun Schritten unterschiedliche Methoden, u.a. die Zukunftswerkstatt eingesetzt werden. Die Rolle von Emotionen spielt dabei eine wichtige Rolle, etwa der Wandel von Frustration zu Energie („Inquire Burning Care Questions Now“), von fehlendem Sinn zu Hoffnung („Dream together“) oder von Perfektionismus zu Kreativität („Develop Prototypes Playfully“). Maren Schüpphaus berichtete von einer neuen Methode „Sprechen – Zuhören„, in der die Teilnehmenden nach genauen Zeitvorgaben einander zuhören – ähnlich funktioneren „Erzählcafés“.

Als neue Themenbereiche wurden die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft, der Abbau demokratischer Strukturen, die Suche nach neuen Zukunftslösungen und Beteiligungsmöglichkeiten genannt. Der Fokus auf öffentliche Räume („Dritte Orte als Möglichkeitsräume“) spiele dabei ebenso eine Rolle wie die Aquise neuer Auftraggebender, etwa in Programmen zu Politischer Bildung oder Dialog-Förderung. Die Verbreitung neuer positiver Zukunftsbilder, das Hinhören darauf, was Menschen beschäftigt, sowie das Einbinden von Zukunftswerkstätten in die anstehende ökologische und ökonomische Transformation wurden ebenfalls diskutiert. Mehrmals angesprochen wurde die Transformationsforschung. Diese geht von einem Mehrebenenansatz aus, demgemäß es soziale, strukturelle und technologische Veränderungen in allen Bereichen, Institutionen, zivilgesellschaftlichen Projekten sowie auf allen politischen Ebenen brauche, um den gebotenen Wandel anzustoßen. Lars Meyer von der Internationalen Hochschule Duisburg bot an, in einem Research-Newsletter zu Partizipation und Zukunft Themen des Netzwerks sowie der Robert-Jungk-Bibliothek aufzunehmen.

Im abschließenden Austausch mit den zugeschalteten Online-Teilnehmenden Ingeborg Latzl (Wien), Frank Labatz (Hannover), Sandra Pienta (Berlin), Titus Möllenbeck (Mainz) und Helmut Peters (Recklinghausen) wurden weitere Erfahrungen mit Zukunftswerkstätten abgefragt. Frank Labatz vom Institut für soziale Kompetenz berichtete etwa, dass er jährlich an die fünf Zukunftswerkstätten durchführt, u. a. zum Schwerpunkt Jugendpartizipation.
Das Treffen 2026 soll wieder in Mittel- oder Norddeutschland stattfinden. Der Ort und die Vorbereitungsgruppe werden demnächst festgelegt. Ebenso wurden erste Themen für drei bis vier Webinare 2026 sondiert.
Vorprogramm: Zukunftsaufstellung mit Henrik Langholf
Der am Vortag stattgefundene Workshop mit Henrik Langholf mit sieben Teilnehmenden gab Einblicke, wie mit Zukunftsaufstellungen innovative Lösungen für Herausforderungen gefunden werden können. Es wurden drei Anliegen von Teilnehmenden in Aufstellungen bearbeitet. Wir setzen in Zukunftswerkstätten soziometrische Aufstellungen oder Rollenspiele ein. Zukunftsaufstellungen, wie sie Henrik Langholf mit den Teilnehmenden durchgeführt hat, gehen einen Schritt tiefer und verbinden Körper- und Gefühlswahrnehmungen mit Zukunftslösungen – ähnlich Körperstatuen oder Forumtheater, mit denen Fritz Letsch arbeitet.

Carmen Bayer berichtete von erfolgreichen Ausbildungen „Zukunftswerkstätten gekonnt anleiten“ der Robert-Jungk-Bibliothek, die aufgrund großer Anfrage heuer zweimal stattgefunden haben. Der nächste Termin im Februar ist bereits ausgebucht, im Juni 2026 wird ein weiterer Termin angeboten. Sie präsentierte auch ein vom JBZ-Grafiker in Auftrag gegebenes Logo für das Netzwerk. Zudem wurden neue Vorlagen für die einzelnen Phasen der JBZ-Zukunftswerkstätten präsentiert.

Als Moderator des Treffens danke ich allen Mitwirkenden und Carmen Bayer für das Protokollieren und die Gastgeberschaft in der Robert-Jungk-Bibliothek. Gestartet wurde der Tag wiederum mit einem gemeinsamen Frühstück. Hans Holzinger

Fotos: Carmen Bayer, JBZ –
